Inhaltsangabe: Handreichung zur Einschätzung bedrohlicher Situationen in Schulen


Die große Mehrheit der Schüler in unserem Land wird ihre Schulzeit beenden, ohne jemals mit gewaltsamem Verhalten von Gleichaltrigen in Kontakt gekommen zu sein. Trotzdem haben die jüngsten Anschläge auf Schulen ein Bild ins Wanken gebracht, das Schulen als zuverlässige und sichere Umgebungen beschreibt, in denen die Qualifikation der Lehrer und die Effizienz des Unterrichts die einzigen Fragen von Bedeutung darstellen. Durch das Fernsehen verbreitete Bilder von angsterfüllten, weinenden oder verletzten Schülern, die aus dem Schulgebäude fliehen, haben sich dem Bewusstsein eingeprägt. Erfurt, die Stadt welche am 26. April 2002 der Schauplatz des gewaltsamsten Anschlags auf Schulen war, der bis dahin in der Bundesrepublik verzeichnet wurde, gilt als nationales Symbol für Gewalttätigkeit, die das Leben von 16 Personen gekostet hat.
Die gestiegene Aufmerksamkeit, die die Bevölkerung dem Problem der Gewalt an Schulen schenkt, hat dazu geführt, dass Schulen, die Polizei, Psychologen und Eltern darauf drängen, zwei zentrale Frage zu beantworten: (1) "Hätte bekannt sein können, dass diese Anschläge geplant wurden?" Und, wenn das so ist, (2) " Hätten diese Anschläge verhindert werden können?"
Unmittelbar nach dem Anschlag auf die Columbine Highschool in Littleton hat das US Erziehungsministerium gemeinsam mit dem US Geheimdienst eine Studie in Auftrag gegeben, die Antworten auf diese Frage finden sollte. In dieser Studie wurden 37 Vorfälle gezielter Anschläge auf Schulen in den Vereinigten Staaten von 1974 bis Juni 2000 genauestens analysiert. Zusammengefasst legen die Ergebnisse den Schluss nahe, dass zumindest einige der möglichen zukünftigen Anschläge verhindert werden könnten.
Die vorliegende Publikation, mit dem Titel Handreichung zur Einschätzung bedrohlicher Situationen in Schulen, kurz Bedrohungsanalyse, fasst die Ergebnisse dieser Studie zusammen. Durch eine angemessene Realisierung der Vorschläge können Schulen aber auch andere für die Sicherheit verantwortliche Personengruppen etwa die Polizei, in die Lage versetzt werden das Bedrohungspotential konkreter Situationen angemessen einzuschätzen und verantwortungsbewusst damit umzugehen.