Häufig gestellte Fragen zum Thema Mobbing

1) Was heißt Mobbing eigentlich genau?

Unter Mobbing in der Schule versteht man ein gegen einen Schüler gerichtetes „Gemeinsein“, Ärgern, Angreifen und/oder Schikanieren, das sich häufig wiederholt und über einen längeren Zeitraum immer wieder auftritt. Oft ist es so, dass ein so genanntes Kräfteungleichgewicht zwischen Opfer und Täter herrscht. Das bedeutet, dass das Opfer den Konflikt nicht alleine auflösen kann. In der Regel gibt es in einer Klasse einen bis mehrere Täter, einige Mitläufer, viele Unbeteiligte und ein Opfer. Es gibt verschiedene Formen des Mobbings:
Verbal: Schimpfwörter, Bedrohungen, Erniedrigungen.
Physisch: Schlagen, Kneifen, Boxen, Treten, Gegenstände werfen.
Sozial: ignorieren, sich vor Gleichaltrigen verstecken, ächten, stehlen.
Psychologisch: auflauern, auslachen, verbal oder durch Gesten beleidigen („Stinkefinger“ zeigen), verächtliche Blicke, Gerüchte verbreiten, Gegenstände verstecken oder kaputt machen.
Wie auch immer sich Mobbing zeigt, es hat stets mit Gewalt im weiteren Sinn zu tun.

2) Welche Motive haben die Mobber?

Schüler, die mobben wollen oft ihre Position in der Klasse stärken oder ausbauen, indem sie andere Schüler klein machen. Hinzu kommen Motive wie, sich die Langeweile zu vertreiben, ein Gefühl von Macht und Überlegenheit zu bekommen, erlebte Misserfolge zu kompensieren, sich zu rächen oder die Anerkennung der Mitschüler zu gewinnen.
Interessant ist, dass viele Mobber selbst einmal Mobbingopfer waren – oder auch noch sind – und nun ihrerseits Macht ausüben, um sich stärker zu fühlen und anerkannt zu werden. Mobbing ist also eher ein Ausdruck der Schwäche als der Stärke!

3) Kann mein Kind Mobbing-Opfer werden?

Das Wichtigste am Anfang: Opfer sowie auch Eltern von Opfern tragen keine Schuld an ihrer Rolle bzw. jener ihres Kindes. Prinzipiell kann jeder zum Opfer werden!
Man unterscheidet zwei Typen:
Passive Opfer (häufiger), die körperlich schwächer als die anderen Schüler sind, ängstlich, unsicher und sensibel. Sie reagieren „interessant“ auf Angriffe, weinen z.B. schnell oder verzweifeln.
Provozierende Opfer, die durch auffälliges Verhalten Angriffsfläche bieten. Sie sind häufig ängstlich und aggressiv, wirken hyperaktiv, sind leicht reizbar und/oder spielen sich gerne in den Vordergrund.
Beiden Typen ist gemeinsam, dass sie zuverlässig auf eine für die Täter „interessante“ Art und Weise auf die Angriffe reagieren und das nutzen diese aus. Mit der Zeit probieren dann immer mehr Kinder aus der Klasse, das Opfer zu hänseln oder zu beleidigen, um sie gleichen Reaktionen hervorzurufen.. Jemanden, der cool und stark auf Sticheleien etc. reagiert erscheint als „langweiliges“ Opfer und wird i.d.R. schnell wieder in Ruhe gelassen.

4) Was kann ich machen, damit mein Kind nicht gemobbt wird?

Es gibt kein Geheimrezept, mit dem Mobbing ganz sicher verhindert werden kann, aber es gibt ein paar „Tipps und Tricks“ die Sie mit ihrem Kind besprechen können. Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es wichtig ist, wenn einem das Verhalten eines Mitschülers unangenehm ist und man belästigt wird, ein eindeutiges „Stopp!“ zu signalisieren, so dass der Mitschüler weiß, wo die Grenzen sind. Das kann auch zu Hause oder in Selbstbehauptungskursen in Rollenspielszenen geübt werden. Versuchen Sie, Ihrem Kind das Verwirklichen seiner Hobbies zu ermöglichen, das stärkt das Selbstvertrauen und so hat es auch die Möglichkeit, im Nachmittagsbereich weitere Freunde kennenzulernen.

5) Woher weiß ich, ob mein Kind gemobbt wird?

Es gibt ein paar typische Verhaltensweisen, die in einigen Fällen auf Mobbing hindeuten. Wenn Sie Ihr Kind gut beobachten, fällt Ihnen bestimmt das eine oder andere auf. Gemobbte Kinder wirken oft bedrückt, wenn sie nach Hause kommen. Sie erhalten keine Einladungen zu Kindergeburtstagen oder anderen Festen. Das Kind wirkt unsicher und sein Selbstwertgefühl nimmt ab. Das Kind zieht sich immer mehr zurück und zeigt auch einen starken schulischen Leistungsabfall. Manche Kinder zeigen gehäuft körperliche Beschwerden (z.B. Bauch- oder Kopfweh). Das Kind will nicht mehr in die Schule gehen oder mit dem Schulbus fahren. Es hat öfters Alpträume und beginnt möglicherweise zu stottern. Es kann auch vorkommen, dass das Kind angibt, immer wieder Geld zu verlieren (das ihm weggenommen wird oder das es bezahlen muss, um in Ruhe gelassen zu werden).
Wenn Sie wissen wollen, ob Ihr Kind tatsächlich gemobbt wird oder ob es sich nur um gelengentliches Ärgern handelt, können Sie z. B. den "Smob-Fragebogen" verwenden. und diesen von ihrem Kind alleine oder mit Ihrer Hilfe ausfühlen lassen. Wenn es sich tatsächlich um Mobbing handelt, empfiehlt es sich, das Kind über einige Tage oder wenige Wochen ein Mobbingtagebuch führen zu lassen, in dem es aufschreiben soll, wer ihm wann und wo etwas angetan hat und wer alles Zeuge war. Der Sinn des Tagebuches ist, dass man Fakten für das Gespräch mit der Schule in die Hand bekommt.

6) Wie unterstütze ich mein Kind, wenn es gemobbt wird?

Nehmen Sie auf jeden Fall Kontakt mit der Schule auf, häufig wissen die Lehrer nämlich gar nicht, was in den Klassen außerhalb des Unterrichts so passiert. Die Schule ist zuständig für den Schutz der ihr anvertrauten Schüler und in den meisten Schulprogrammen steht auch etwas zu kooperativem und respektvollem Umgang miteinander. In vielen Fällen ist es sinnvoll, neben dem Klassenlehrer auch den Vertrauenslehrer und die Schulleitung zu informieren.
Versuchen Sie, Ihr Kind zu stützen, in dem Sie voll auf seiner Seite sind, ihm Erfolgserlebnisse ermöglichen (z.B. bei Hobbies) und ihm das Gefühl geben, dass es Ihnen von den Problemen erzählen kann und diese nicht lächerlich oder peinlich sind.

7) Was tue ich, wenn mein Kind andere Kinder mobbt?

Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Konsequenzen von Mobbing und nehmen Sie Kontakt mit der Schule oder dem Schulpsychologen auf. Stellen Sie – eventuell in Absprache mit der Schule – klare Regeln auf und sanktionieren Sie fehlerhaftes Verhalten. Sollte Ihr Kind auch zu Hause solche Verhaltensweisen zeigen (z.B. gegenüber Geschwistern), ist dies besonders wichtig!