Neurobiologische Erkenntnisse
1. Die Bereitschaft zu lernen ist angeboren.
Sie muss gefördert werden durch Anregungen/Angebote/Inputs:
 | Schaffen von Rahmenbedingungen für Lernen (zeitlich, räumlich, materiell) |
 | gute und zuverlässige Vorbilder |
 | viele und ständig neue Beispiele |
 | Bewegung/Tun |
2. Das kindliche Verarbeitungssystem nimmt nur die Informationen, die es gerade gebrauchen kann.
Kinder brauchen daher Erfahrungsräume mit einem breiten Angebot, in denen sie gemäß ihrer individuellen Entwicklungsimpulse aktiv werden können.
3. Lernen erfordert von innen gerichtete Aufmerksamkeit, sie kann nicht erzwungen werden.
Es kann jedoch eine förderliche Umgebung geschaffen werden:
 | Ruhe |
 | keine Reizüberflutung durch Medien, Materialien oder Menschen |
 | entspannte Atmosphäre |
 | Zeit |
4. Lernen braucht Zeit für intensive Wiederholungen. Dies trifft sowohl auf Fertigkeiten als auch auf das Lernen von Einzelwissen zu.
5. Der Transfer der Erfahrungsdaten vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeit-gedächtnis erfolgt im Schlaf. Wenn Inputs zu schnell aufeinanderfolgen und keine Möglichkeit des Datentransfers geboten ist, zerfallen die Informationen oder werden überlagert.
Ungestörter und ausreichender Schlaf ist also unbedingte Voraussetzung für Lernprozesse.
6. Strukturen / Muster werden langsam erworben. Dies ist nur möglich, wenn Inputs konstant gehalten werden bis der Lernvorgang abgeschlossen ist. Ständige Veränderungen von Situationen und Bedingungen verwirren, sie behindern Lernen.
7. Erzieher müssen genau beobachten, welche Rahmenbedingungen gerade notwendig sind, diese schaffen und bei Bedarf ändern, um neue Erfahrungen zu ermöglichen.
8. Bis zum 6. Lebensjahr erfolgt Spracherwerb "automatisch" durch Umwelterfahrung.
Kinder sollten möglichst viel sprachliche Anregungen bekommen und aufgefordert werden, Sprache aktiv zu nutzen. Fremdsprachen sollten schon im Grundschulalter erworben werden.
9. Im Laufe der Entwicklung öffnen sich neuronale Fenster, d.h. Verbindungen zwischen Nervenzellen entstehen explosionsartig.
Anzeichen von Entwicklungsstörungen sollten so früh wie möglich diagnosti-ziert und therapiert werden (Bewegung, Hören, Sprechen), verpasste Verschaltungen lassen sich nicht oder nur schwer nachholen.
10. Bewegung aktiviert physiologische / chemische Prozesse, die Lernen ermöglichen und erleichtern.
Lernschwächen können manchmal allein durch viel (spielerische!) Bewegung behoben werden.
11. Lernen erfolgt am Beispiel und nicht durch Instruktion.
Kinder brauchen viele soziale Kontakte zu anderen Kindern, um zu lernen.
Kinder brauchen Materialien, die das selbstentdecken von Gesetzmäßigkeiten zulassen.
12. Das soziale Urvertrauen wird in den frühen Lebensjahren angelegt.
Kinder brauchen konstante und verlässliche soziale Kontakte zu Eltern / Erziehern.
13. Frühe Vernachlässigung und traumatische Erlebnisse hinterlassen funktionelle Narben im Gehirn, die normale Lernprozesse be- oder verhindern.
Kleine Kinder brauchen viel Zuwendung und Schutz.
14. Kinder brauchen aber auch Freiräume für Experimente und Erfahrungen:
Behüten, aber nicht Erdrücken Freiräume schaffen, aber nicht alles zulassen;
Grenzen ziehen, aber keine Mauern errichten.