Auffälliges Verhalten, Aggression und schulische Intervention
Gewalt und Aggression
Aggressives Verhalten und Gewalt sind beide Ausdrucksformen sozial auffälligen Verhaltens.
Intentionaler Aspekt
"Aggression ist eine Verhaltenssequenz, deren Zielreaktion die Verletzung einer Person ist, gegen die sie gerichtet ist." (Dollard et al.)
Normativer Aspekt
"Eine Aktivität ist dann als Aggression zu definieren, wenn von der handelnden Person versucht wird, einer anderen Person körperlichen Schaden oder physischen Schmerz zuzufügen und wenn das Opfer gleichzeitig danach strebt, eine solche Behandlung zu vermeiden." (Zillmann)
Aggression wird als "schädigendes und destruktives Verhalten charakterisiert, das im sozialen Bereich auf der Grundlage einer Reihe von Faktoren als aggressiv definiert wird, von denen einige eher beim Beurteiler als beim Handelnden liegen". (Bandura)
Unterscheidungen
 | offensive vs. defensive Aggression |
 | unprovozierte vs. provozierte Aggression |
 | instrumentelle vs. impulsive Aggression |
 | physische vs. symbolische Aggression |
Funktionen der Aggression
 | führen zu unerheblichen Schädigungen |
 | verstoßen gegen konventionelle Umgangsformen und sollen vermieden werden |
 | haben feindseligen Charakter |
 | sind Folge heißer emotionaler Erregung |
Gewalthandlungen
 | führen zu schweren Schädigungen mit erheblichen Konsequenzen |
 | verstoßen gegen juristisch fixierte Normen und sind verboten |
 | haben instrumentellen Charakter |
 | erfolgen oftmals berechnend und kalt |
Gewalt von Schülerinnen und Schülern
Untersuchungen belegen nicht, dass Gewaltakte, die von Schülerinnen und Schülern ausgehen, heute häufiger sind als früher.
Untersuchungen zeigen jedoch, dass Schülerinnen und Schüler heute 'anders' sind als früher: 'Sie sind lebendiger, selbständiger, kreativer, eigenwilliger, informierter, freimütiger, aufmüpfiger, mutiger (gegenüber Autoritäten), vorlauter, diskussionsfreudiger, sie sind damit im Unterricht auch unruhiger, dreister, frecher, undisziplinierter, ungehorsamer...?'
(Krumm 1998)
Das Problem der Lehrer besteht in dieser Hinsicht darin, dass die bisher praktizierten Disziplinierungstechniken zunehmend unwirksam werden, weil Kinder der heutigen Generation sich nicht mehr fraglos Autoritäten unterwerfen und deren Anweisungen ohne Widerstand Folge leisten und darin, dass viele Lehrer nicht die hinter dem Störverhalten stehenden positiven Qualitäten erkenne und ihnen Mittel und Wege fehlen, diese, falls sie sie denn doch erkennen und fördern wollen, im und durch Unterricht entsprechend zu kanalisieren, so dass sie nicht zum Störverhalten werden.
Gewalt an Schulen
Von allen an Schule Beteiligten kann Gewalt ausgehen: Gewalt von Schülerinnen und Schülern, Gewalt von Lehrerinnen und Lehrern und Gewalt von Schulleiterinnen und Schulleitern.
Eine positive Schulkultur zeichnet sich dadurch aus, dass Gewalt auf allen drei Ebenen bewusst wahrgenommen und verhindert wird. Aufgabe von Beratungslehrerinnen und Beratungslehrern kann es sein, Gewaltstrukturen und –phänomene aufzudecken und an deren Bekämpfung mitzuarbeiten.
Eine wichtige Rolle kommt hier den Beratungskräften der Schulen zu. Sie können in Bezug auf die Fragen
 | beraten und an andere Kooperationspartner vermitteln |
 | Interventionen mit Kolleginnen und Kollegen planen und durchführen |
 | helfen, das pädagogische Profil und Klima der Schule voranzutreiben |
 | Kolleginnen und Kollegen Methoden vermitteln, die diese befähigen, ihre Probleme im Klassenraum alleine zu bewältigen |
Weitere Möglichkeiten der Unterstützung bieten außerschulische Supervisionsgruppen, z.B. in Kooperation mit Schulpsychologen oder Lehrertrainingsseminare im Rahmen von Fortbildungsangeboten (vgl. KTM) oder Schulinterner Lehrerfortbildung (SchiLF).
Lehrerinnen und Lehrer müssen lernen, welche Rolle sie selbst bei akuter Gewaltanwendung durch Schüler spielen, wie sie deeskalierend eingreifen und wie sie konsequent weiter verfahren.
Im Umfeld von Gewalt können Lehrer schnell in alle an Gewalt beteiligten Rollen -Täter, Opfer, Helfer- geraten. Sie müssen also lernen, diese Rollen zu identifizieren und Beziehungsmuster, die sich daraus ergeben, aufzubrechen. Sie müssen in der Lage sein:
 | zu intervenieren |
 | Beziehungsmuster und verfestigte Prozesse aufzuarbeiten und zu verändern |
 | intrapsychische Determinanten bewußt zu machen |
 | alternative Handlungsperspektiven im Feld 'Schule' zu erschließen |
 | gravierende Persönlichkeitsprobleme zu erkennen |
 | den Beteiligten ansatzweise zu verdeutlichen und |
 | sie zur Weiterarbeit an andere (z.B. Schulpsychologen) zu vermitteln (Wendt, 1996). |
Da Gewalt häufig im Umfeld von Gruppen stattfindet, ist es notwendig, dass Lehrerinnen und Lehrer gewaltpräventive Handlungskompetenz erlangt. Hierbei können Beratungslehrerinnen und Beratungslehrer unterstützen.