Klassenklima und schulbezogene Hilflosigkeit in den Jahrgangsstufen 8 und 9
J. König, Zeitschrift für Pädagogische Psychologie 23(1), 41–52 (2009)
Die vorliegende Untersuchung umfasst die Konstrukte "schulbezogene Hilflosigkeit" und "Klassenklima". Im Einzelnen sollte geprüft werden, ob und in wie weit das Klassenklima die schulbezogene Hilflosigkeit, also die Vorstellung, das erhöhte Leistung nicht zu besseren Noten führt, beeinflusst.
Die Stichprobe entstammt der sog. AIDA-Studie mit 1832 Berliner Schülerinnen und Schülern aus 139 Klassen, wobei zwei Erhebungszeitpunkte (8. und 9. Klasse) ausgewertet wurden (Längsschnitt und auch Querschnitt).
Es wurde angenommen, dass Klassenklima, welches von Konkurrenzdenken geprägt ist, eher zur Vergrößerung der Hilflosigkeit führt, während von Unterstützung geprägtes Klassenklima verringerte Hilflosigkeit zur Folge hat. Dabei wurde zwischen individueller (Perspektive des einzelnen Schülers) und kollektiver (gemittelte Wahrnehmung der Schüler einer Klasse) Lernumweltwahrnehmung unterschieden. Auch durch erhöhtes Engagement der Lehrer kann die wahrgenommene Hilflosigkeit reduziert werden.
Die mehrebenenanalytische Auswertung bestätigte die Annahmen. Darüber hinaus zeigte sich, dass Hilflosigkeit eher innerhalb einer Klasse variiert als zwischen der 8. und 9. Klasse. Weiterhin war im 9. Schuljahr die Variation innerhalb der Klasse geringer.
Die Ergebnisse dieser Studie können als weitere Bestätigung dafür aufgefasst werden, das Lehrerengagement und Klassenklima, d.h. Schüler-Lehrer- und Schüler-Schüler-Beziehung für die Entwicklung schulbezogener Hilflosigkeit relevante Variablen darstellen.
(Rezensiert von Denise Pissulla-Wälti)
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