Die Vorhersage von Englischleistungen am Anfang der Sekundarstufe
A. C. M. Zaunbauer, J. Retelsdorf u. J. Möller, Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 41 (3), 153–164 (2009)
Berichtet wird über eine Studie mit 719 Fünftklässlern (Gymnasiasten und Realschüler), in der untersucht wurde, ob die Englischleistungen mit Hilfe des sog. erweiterten Erwartungs-Wert-Modells (z.B. Vroom) vorhergesagt werden können.
Dieses Modell dient häufig dazu, "schulische Leistungen im Zusammenspiel von kognitiven, motivationalen, lernbiografischen und sozialen Faktoren zu untersuchen". Dabei sollen die Leistungen im Fach (Englisch) einerseits von der Erwartung abhängen, eine Anforderung zu erfüllen (Erfolgserwartung) und andererseits vom Wert, den der Schüler dem Fach beimisst. Operationalisiert wird die Erwartung oft als fachspezifisches Selbstkonzept, der Wert mit dem fachspezifischen Interesse. Das Selbstkonzept kann dabei das Interesse direkt beeinflussen.
Beides wird wiederum durch das kulturelle Milieu, die Eltern, Charakteristika des Kindes (Geschlecht, Fähigkeiten etc.) oder Vorerfahrungen beeinflusst.
Untersucht wurden die Kinder zu Beginn und am Ende der 5. Klasse, Kriterien waren ein schriftlicher Leistungstest (DLE 5–6) sowie das Lehrerurteil. Auch Variablen wie kognitive Grundfertigkeiten und fachspezifisches Selbstkonzept wurden mit Hilfe geeigneter Tests erhoben.
Im Ergebnis zeigte sich erwartungsgemäß, dass das Selbstkonzept die Leistungen (positiv) beeinflusst. Ausschließlich grammatikalische Fähigkeiten scheinen vor allem von intellektuellen Kompetenzen abhängig zu sein.
Weiterhin sind Englischleistungen direkt durch die Schulform, durch die kognitven Grundfertigkeiten und Vorkenntnisse beeinflusst. Unterschiede zwischen beiden Schulformen sind wesentlich durch Effekte wie z.B. die Eingangsselektivität oder unterschiedliche Entwicklungen (Schereneffekte) erklärbar. Ein geschlechtsabhängiger Leistungsunterschied konnte entgegen der Erwartung nicht nachgewiesen werden, was mit dem Sonderstatus des Fachs Englisch erklärt wird, welches für Jungen und Mädchen (in diesem Alter) gleichermaßen interessant ist. Ein anzumerkender methodischer Mangel ist die Erfassung der Vorleistungen, welche sich mangels geeigneter Tests auf die Lehrerbewertung (Schulnote) beschränkte.
Als Empfehlung sprechen sich die Autoren dafür aus, das fachspezifische Selbstkonzept im anfänglichen Stadium des Fremdsprachenunterrichts positiv zu stärken.
Rezension von Denise Pissulla-Wälti
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