Gewalterfahrungen, Erziehung im Elternhaus und Wohlbefinden bei deutschen und türkischen Jugendlichen

H.-H. Uslucan, Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 58, 278–296 (2009)

Die Studie hat zum Ziel, "den Einfluss elterlicher Gewalterfahrungen und elterlicher Erziehungsstile auf Gewaltbelastungen und auf das Wohlbefinden von Jugendlichen zu identifizieren". Dabei wurden deutsche und türkische Schüler (N=304 / 214; 13–16 Jahre) anhand von Fragebogendaten verglichen.

Im Ergebnis zeigten sich (nach Berücksichtigung der elterlichen Bildungshintergründe) keine Unterschiede in der Strenge der Erziehung der Jugendlichen. Allerdings fordern türkische Eltern stärkere Verhaltensdisziplin.

In Hinblick auf die Gewaltbelastung der Jugendlichen lassen sich ebenfalls keine kulturellen Unterschiede identifizieren. Allerdings zeigen sich Unterschiede in der Gewaltakzeptanz; diese ist bei türkischen Jugendlichen signifikant höher – was sich allerdings nicht in erhöhter Gewalttätigkeit äußert. In beiden Kulturen fördert ein aggressiv strenger Erziehungsstil jugendliche Gewalttätigkeit. Als kritischer Faktor muss weiterhin  ein inkonsistenter Erziehungsstil angesehen werden, dieser fördert gewalttätiges Verhalten der Jugendlichen – insb. bei den befragten deutschen Schülern. Mädchen berichteten außerdem mehr psychische Belastung und körperliche Symptomatik als Folge ihrer Erziehung; die türkischen dabei weniger als die deutschen.

Allerdings lässt sich insgesamt lediglich ein korrelativer Zusammenhang zwischen elterlicher Aggression  und  jugendlicher Gewalt nachgeweisen (das elterliche Verhalten könnte eine Reaktion auf das Verhalten der Jugendlichen sein), die Richtung dieses Zusammenhangs kann in dieser Studie nicht aufgeklärt werden.

Rezension von Denise Pissulla-Wälti


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